Ein Trio von Unternehmen, das fast den gesamten weltweiten Speichermarkt kontrolliert, ist vor Gericht gelandet. Samsung, SK hynix und Micron sehen sich in Kalifornien mit einer Klage konfrontiert. Siebzehn Kläger werfen ihnen vor, sich heimlich darauf verständigt zu haben, das Angebot an DRAM-Speicher zu begrenzen und dadurch die Preise in die Höhe zu treiben. Laut der Klage stiegen diese innerhalb von vier Jahren um rund 700 %.
Inhalt der Klage
Die Kläger berufen sich auf Paragraf 1 des Sherman Act, also auf das US-amerikanische Recht gegen Vereinbarungen, die den wirtschaftlichen Wettbewerb einschränken. Sie richten sich gegen Unternehmen, die zusammen rund 90 % des weltweiten Marktes für DRAM-Speicher kontrollieren.
Alle drei Hersteller haben Produktionskapazitäten auf sogenannten High Bandwidth Memory (HBM) verlagert. Dabei handelt es sich um gestapelte Chips, die Beschleuniger für künstliche Intelligenz antreiben. Darin sind sich die Parteien einig. Die Kläger behaupten jedoch, diese Verlagerung habe lediglich als Vorwand gedient. Tatsächlich hätten die Unternehmen die Produktion älterer DDR3- und DDR4-Module bewusst gedrosselt, dadurch das Angebot an herkömmlichem Speicher künstlich verknappt und die Preise in die Höhe schnellen lassen.
Warum konnte kein anderer Anbieter kommen und sie mit niedrigeren Preisen unterbieten? Der Bau einer neuen Speicherfabrik kostet mehrere zehn Milliarden Dollar und dauert Jahre. Nach Ansicht der Kläger konnte das Trio etablierter Hersteller die Produktion daher unbesorgt einschränken, ohne befürchten zu müssen, dass jemand ihre Pläne durchkreuzt.
Zu den Klägern gehören vierzehn Privatpersonen und drei kleinere Computerunternehmen. Als Beleg für die Auswirkungen auf die Geldbeutel führen sie die jüngsten Preiserhöhungen bei Apples iPads und Mac-Computern an. Das günstigste MacBook Pro verteuerte sich um 400 Dollar auf 1.999 Dollar, wobei das Unternehmen dies mit den Kosten für Arbeitsspeicher und Speicherplatz begründete. Die Kläger streben daher die Anerkennung als Sammelklage, eine gerichtliche Unterlassungsverfügung gegen weitere derartige Praktiken und dreifachen Schadensersatz an.
Geschichte ähnlicher Klagen
Es ist nicht das erste Mal, dass Speicherhersteller mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert werden. Anfang der 2000er-Jahre leitete das US-Justizministerium ein Strafverfahren wegen Manipulation der DRAM-Preise zwischen 1999 und 2002 ein. Damals bekannten sich sowohl Samsung als auch das damalige Hynix, der Vorgänger von SK hynix, schuldig. Samsung zahlte 300 Millionen Dollar, Hynix im April 2005 weitere 185 Millionen. Die Summe der Geldstrafen in der gesamten Branche überstieg 700 Millionen Dollar, und mehrere Manager landeten hinter Gittern. Ein pikantes Detail: Micron, das nun zu den Beklagten gehört, kooperierte damals mit den Ermittlern und entging einer Geldstrafe.
Der damalige Fall hatte einen entscheidenden Vorteil. Es gab E-Mails und eine nachweisbare Absprache. Direkte Beweise waren also vorhanden. Ein neuerer Versuch verlief weniger erfolgreich. Im Jahr 2018 reichte die Anwaltskanzlei Hagens Berman bei demselben Gericht eine ähnliche Klage ein. Das Gericht wies sie 2020 ab, und das Berufungsgericht bestätigte die Abweisung im Jahr 2022. Es entschied, dass sich das Verhalten des Trios eher durch das normale Funktionieren des freien Marktes als durch eine rechtswidrige Absprache erklären lasse.
Die Kläger müssen nun einen Beweis für eine tatsächliche Absprache vorlegen und dürfen nicht nur aufzeigen, dass alle drei die Produktion drosselten und die Preise stiegen. Parallele, aber unabhängig voneinander getroffene Entscheidungen, dem profitabelsten Produkt nachzujagen, begründen nämlich noch kein Kartell. Das Gegenteil zu beweisen, ist in solchen Fällen meist das Schwierigste. Die neue Waffe der Kläger ist gerade die Verlagerung auf HBM, also ein Argument, das in der früheren Klage noch fehlte.
Was die Hersteller dazu sagen
Die Unternehmen betonen seit Langem, dass sie ihre Entscheidungen unabhängig treffen und Kapazitäten schlicht deshalb auf HBM verlagern, weil die mit künstlicher Intelligenz verbundene Nachfrage danach enorm ist. Die Margen bei diesen Chips sind nämlich deutlich höher als bei herkömmlichem Speicher für Computer und Telefone. Hochrangige Manager warnen zugleich, dass die Knappheit noch Jahre andauern könnte.
Eine Entlastung werden die Kunden so bald nicht erleben. Die Investmentbank Jefferies erwartet, dass die DRAM-Preise im dritten Quartal um weitere 40 bis 50 Prozent und im vierten Quartal um weitere 30 bis 40 Prozent steigen werden. Eine deutliche Verbesserung sieht sie frühestens im Jahr 2028.
Die Vorwürfe sind bislang nicht bewiesen, und die beklagten Unternehmen haben sich vor Gericht noch nicht dazu geäußert.
Quellen: timesofindia.indiatimes.com, tomshardware.com und finance.yahoo.com



