China steigt in das Rennen um Gehirnchips ein: Konkurrenz für Neuralink?
China ist offiziell in das weltweite Rennen um die Entwicklung von Gehirnchips eingestiegen und nach den Vereinigten Staaten das zweite Land, das klinische Studien mit invasiven Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI - Brain-Computer Interface) an Menschen begonnen hat. Dieser bahnbrechende Schritt stellt einen bedeutenden Meilenstein auf dem Gebiet der Neurotechnologie dar und signalisiert eine neue Ära der medizinischen Nutzung künstlicher Intelligenz.
Das Exzellenzzentrum für Neurowissenschaften und Intelligenztechnologie (CEBSIT), das zur Chinesischen Akademie der Wissenschaften gehört, leitet diese revolutionären klinischen Studien in Zusammenarbeit mit dem Shanghaier Schlüssellabor für klinische Studien und die Translation von Gehirn-Computer-Schnittstellen, dem Huashan-Krankenhaus der Fudan-Universität und Industriepartnern. Diese koordinierte Zusammenarbeit zwischen akademischen Institutionen und Krankenhauseinrichtungen zeigt, wie ernst China diese Technologie nimmt.
Der erste Patient und unglaubliche Ergebnisse
Der erste Patient, dem ein chinesischer Gehirnchip implantiert wurde, war ein Mann, der bei einem Stromunfall alle vier Gliedmaßen verlor und eine Tetraplegie erlitt. Im März 2024 wurden ihm durch eine kleine Öffnung im Schädel ultraweiche neuronale Elektroden implantiert, die Gehirnsignale direkt aus dem motorischen Kortex überwachen. Bemerkenswert ist, dass der Patient bereits zwei bis drei Wochen nach der Operation einen Computer bedienen, Rennspiele und sogar Schach spielen konnte – ausschließlich mithilfe seiner Gedanken, wobei seine Leistung mit der eines gewöhnlichen Nutzers eines Computer-Touchpads vergleichbar war.
Die Flexibilität der implantierten Elektroden ist eine zentrale Innovation dieser Technologie. Dank ihrer Weichheit lösen sie keine Immunreaktionen des Körpers aus, wodurch sie sich für den langfristigen Einsatz eignen. Das Forscherteam hofft, dass das Gerät den Nutzern letztlich ermöglichen wird, robotische Gliedmaßen oder Systeme künstlicher Intelligenz direkt mit ihren Gedanken zu steuern. Während der frühen Phase der Studien wurden weder Infektionen noch Ausfälle der Elektroden gemeldet, was die bereits in früheren Studien an Affen nachgewiesene Sicherheit bestätigt.
Vergleich mit dem US-amerikanischen Konkurrenten Neuralink
Während in den Vereinigten Staaten die eigenen Studien von Elon Musks Unternehmen Neuralink laufen, das sich bislang vor allem auf die Unterstützung gelähmter Menschen bei der Bedienung von Computern konzentriert, behauptet Musk, die Technologie könne noch viel weiter gehen – möglicherweise die Fähigkeiten des Gehirns verbessern oder es Menschen sogar ermöglichen, mit künstlicher Intelligenz zu „verschmelzen“. Neuralink hat 650 Millionen US-Dollar für die Ausweitung der Tests auf der ganzen Welt erhalten und plant eine globale Verbreitung seiner Technologie.
Das chinesische Labor behauptet jedoch, dass seine Version kleiner und flexibler als die von Neuralink sei und bereits bis 2028 auf den Markt kommen könnte, zunächst als medizinisches Hilfsmittel für Menschen mit Amputationen oder Rückenmarksverletzungen. Dieser Wettbewerb zwischen chinesischen und US-amerikanischen Entwicklern schafft ein förderliches Umfeld für einen schnellen technologischen Fortschritt in diesem Bereich.
Massive Ausweitung und zukünftige Pläne
Das Jahr 2024 war für China ein Rekordjahr im Bereich der Gehirnchips. Es wurden 31 klinische Studien im Zusammenhang mit BCI-Technologien registriert, was gegenüber dem Vorjahr nahezu einer Verdreifachung entspricht. Neben CEBSIT haben auch das Chinesische Institut für Hirnforschung (CIBR) und das Unternehmen NeuCyber NeuroTech mit frühen Implantationen von BCI-Chips bei Menschen begonnen und planen, die Studien nach Erhalt der behördlichen Genehmigung auf etwa 50 Patienten auszuweiten.
Vor den Studien am Menschen wurden erfolgreich Untersuchungen an Makaken durchgeführt, die darauf trainiert worden waren, mithilfe implantierter BCI-Geräte Cursor zu steuern und zu schreiben. Wichtig ist, dass die Implantate ohne nachteilige Auswirkungen entfernt und ausgetauscht werden konnten, was für zukünftige Möglichkeiten zur Verbesserung der Technologie von entscheidender Bedeutung ist.
Auswirkungen auf die globale Medizin und Technologie
Diese Entwicklungen machen China nach den Vereinigten Staaten zum zweiten Land, das invasive BCI-Studien an Menschen durchführt, und verschärfen den globalen Wettlauf um Technologien für Gehirnschnittstellen. Der Beginn der Ära der Gehirnchips hat das Potenzial, nicht nur die Medizin, sondern auch die gesamte Art und Weise zu verändern, wie Menschen mit Technologien interagieren. Von der Unterstützung gelähmter Patienten bis hin zur potenziellen Verbesserung menschlicher kognitiver Fähigkeiten – die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt zu sein.
Die Tatsache, dass der erste Patient bereits wenige Wochen nach der Operation ausschließlich mithilfe seiner Gedanken Videospiele spielen konnte, deutet darauf hin, wie schnell sich diese Technologie entwickelt. Chinesische Forscher haben gezeigt, dass ihr Ansatz mit weichen neuronalen Elektroden eine sichere und stabile Plattform für den langfristigen Einsatz bietet, was für kommerzielle Anwendungen von entscheidender Bedeutung ist.
Das Jahr 2028 liegt nicht mehr in ferner Zukunft, und wenn die chinesischen Teams ihren Zeitplan einhalten, werden wir Gehirnchips schon bald als festen Bestandteil der medizinischen Versorgung von Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen erleben. Diese Technologie hat das Potenzial, nicht nur verlorene Funktionen wiederherzustellen, sondern auch völlig neue Möglichkeiten für das menschliche Potenzial bei der Interaktion mit der digitalen Welt zu eröffnen.



