Ein KI-Modell wie ChatGPT lernt zu sprechen, indem es Wörter direkt aus populären Liedern übernimmt, ohne dafür zu bezahlen. Genau das ist passiert, und nun hat es Konsequenzen. Das Landgericht München in Deutschland entschied, dass das hinter ChatGPT stehende Unternehmen OpenAI gegen das Urheberrecht verstoßen hat, als es geschützte Liedtexte zum Trainieren seiner Sprachmodelle verwendete. Das bedeutet, dass die KI ohne Zustimmung der Künstler aus deren Werken „gelernt“ hat, und das Gericht verurteilte OpenAI zur Zahlung eines nicht näher bezifferten Schadensersatzes. Dieses Urteil erging nach einer Klage der deutschen Gesellschaft GEMA, die die Rechte von Komponisten, Textern und Musikverlagen verwaltet.
Was genau ist passiert?
Der gesamte Rechtsstreit begann im November 2024, als die GEMA Klage gegen OpenAI einreichte. Die GEMA behauptet, ChatGPT habe die Texte von neun berühmten deutschen Hits verwendet, um seine Fähigkeiten zur Textgenerierung zu verbessern. Zu diesen Liedern gehörten beispielsweise Herbert Grönemeyers Synthie-Pop-Parodie auf Männlichkeit aus dem Jahr 1984 mit dem Titel „Männer“ oder Helene Fischers Lied „Atemlos durch die Nacht“, das während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zur inoffiziellen Hymne der deutschen Fußballnationalmannschaft wurde. Das Gericht stellte fest, dass OpenAI diese Texte tatsächlich ohne Genehmigung zum Training verwendet hatte.
OpenAI verteidigte sich mit dem Argument, seine Modelle würden lediglich riesige Datenmengen aufnehmen und keine konkreten Lieder speichern. Für die Ausgaben seien die Nutzer selbst verantwortlich, die entsprechende Befehle eingeben. Das Gericht wies dies jedoch zurück und erklärte, dass OpenAI für das verantwortlich sei, was sein System erzeugt. Zudem betonte das Gericht, dass selbst kurze Auszüge von beispielsweise nur 15 Wörtern eine Urheberrechtsverletzung darstellten, da dies kein Zufall sein könne. OpenAI konnte sich außerdem weder darauf berufen, „nicht gewinnorientiert“ zu sein, noch darauf, dass Innovation ein solches Vorgehen rechtfertige – das Gericht wies all diese Argumente zurück.
Wer ist die GEMA und warum bedeutet das Urteil einen Sieg für sie?
Die GEMA ist eine Organisation mit rund 100.000 Mitgliedern, die die Rechte von Musikschaffenden in Deutschland schützt. Ihr Vorstandsvorsitzender Tobias Holzmüller erklärte nach dem Urteil, das Internet sei kein Selbstbedienungsladen, in dem man sich die kreativen Werke von Menschen kostenlos nehmen könne. Seiner Ansicht nach schützt diese Entscheidung die Lebensgrundlage von Musikern und beweist, dass auch die Betreiber von KI-Werkzeugen wie ChatGPT das Urheberrecht einhalten müssen. Die Kanzlei Raue, die die GEMA vertrat, fügte hinzu, dass das Urteil Rechtssicherheit für Urheber, Verlage und Plattformen in ganz Europa schaffe und ein Signal an die globale Technologiebranche sende.
Die GEMA hofft nun auf Verhandlungen mit OpenAI darüber, wie Rechteinhaber eine angemessene Vergütung erhalten könnten. Dieser Fall gilt als die erste bedeutende europäische Entscheidung im Kampf dagegen, dass KI kreative Inhalte „stiehlt“, und könnte sich auch auf andere Bereiche wie das Schreiben oder die Kunst auswirken.
Reaktion von OpenAI
Das von Sam Altman gegründete Unternehmen OpenAI ist mit dem Urteil nicht einverstanden und erwägt, Berufung einzulegen. In einer Erklärung teilte das Unternehmen mit, die Entscheidung betreffe lediglich eine begrenzte Auswahl von Liedtexten und werde keine Auswirkungen auf die Millionen Menschen, Unternehmen und Entwickler in Deutschland haben, die seine Technologie täglich nutzen. Es fügte hinzu, dass es die Rechte von Urhebern respektiere und Gespräche mit zahlreichen Organisationen auf der ganzen Welt führe, damit alle von den Möglichkeiten profitieren könnten, die KI bietet.
Das Gericht wies auch das Argument zurück, dass in diesem Fall die Ausnahme für Text- und Data-Mining (text and data mining) gelte, da die GEMA sich die Rechte vorbehalten hatte und die Reproduktionen wesentlich waren. OpenAI wurde Fahrlässigkeit bescheinigt, da das Unternehmen nicht behaupten konnte, nichts von den Risiken gewusst zu haben. OpenAI sieht sich in den USA mit ähnlichen Klagen von Autoren und Medienkonzernen konfrontiert, die behaupten, ChatGPT sei ohne ihre Zustimmung mit ihren Werken trainiert worden.
Der gesamte Fall ist eine Warnung an die Technologiekonzerne, dass europäische Gerichte das Urheberrecht ernst nehmen.
Quellen: reuters.com und theguardian.com



