Joe Russo, Co-Regisseur erfolgreicher Filme wie Avengers oder Captain America, hat eine ziemlich gewagte Aussage gemacht. In einem Interview sprach er nämlich davon, dass vollständig KI-generierte Filme bereits innerhalb von zwei Jahren in Hollywood Einzug halten werden. Und das ist nicht nur ein Schuss ins Blaue. Russo sitzt nämlich in den Vorständen gleich mehrerer KI-Unternehmen und weiß, in welche Richtung sich die Trends entwickeln. Doch ist es wirklich schon so weit?
Was genau hat Russo gesagt?
In einem Interview mit dem Onlinemagazin erklärte Russo gegenüber Collider, dass die Welle der KI-Filme Hollywood bereits in zwei Jahren erreichen werde und man sich auf diese neue Richtung vorbereiten müsse. Und aus seinen Worten und Erfahrungen ging klar hervor, dass er dies nicht als Übertreibung meinte. Russo befindet sich nämlich direkt im Zentrum des Geschehens und verfolgt die Fortschritte der KI aus nächster Nähe.
Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass diese Aussage bereits vor drei Jahren gemacht wurde. Die Prophezeiung hat sich also nicht ganz erfüllt, und Hollywood muss noch eine Weile auf seinen ersten ausschließlich von künstlicher Intelligenz geschaffenen Film warten. Es muss jedoch angemerkt werden, dass es weltweit bereits erste KI-Filme gibt und dieser Trend keineswegs so schnell verschwinden wird.
Ihr Avatar an der Seite von Marilyn Monroe? Warum nicht!
Der interessanteste Teil von Russos Interview kommt in dem Moment, in dem er das Potenzial der KI in den Händen der Generation Z skizziert, für die Technologie ein ganz natürlicher Bestandteil des Lebens ist. Er stellt sich eine Zukunft vor, in der der Zuschauer seiner Streamingplattform einfach sagt: „Ich möchte eine romantische Komödie mit meinem fotorealistischen Avatar und dem Avatar von Marilyn Monroe, weil ich einen schweren Tag hatte.“ Die Plattform generiert sie dann für ihn, einschließlich Dialogen mit realistisch nachgeahmten Stimmen. Ein kompletter 90-minütiger Film nach Maß, innerhalb kürzester Zeit fertig.
Klingt das nach Science-Fiction? Vielleicht. Aber Russo meint es ernst. Seiner Ansicht nach werden die rasante Entwicklung und der feste Platz der KI die Art des Geschichtenerzählens grundlegend verändern und die Tür zu unbegrenzten Möglichkeiten öffnen.
Demokratisierung des Filmemachens oder das Ende der Kunst?
Russo sieht in der KI auch eine Chance für aufstrebende Kreative ohne große Budgets. Künstliche Intelligenz kann das Geschichtenerzählen nämlich allen zugänglich machen und so Menschen eine Stimme geben, die sich eine teure Produktion nicht leisten könnten. Ob der erleichterte Zugang zu den Werkzeugen und die breite Verfügbarkeit des Filmemachens tatsächlich neue Stimmen hervorbringen oder lediglich zu einer Flut mittelmäßiger Inhalte führen werden, bleibt jedoch fraglich.
Russos Filme aus jüngster Zeit, beispielsweise The Electric State mit einem Budget von 320 Millionen Dollar, erhielten zudem überwiegend negative Kritiken. Das Magazin Futurism urteilte beispielsweise ironisch, sie wirkten, als hätte ChatGPT sie geschrieben.
Realität vs. Vision
Russo bleibt jedoch weiterhin ein leidenschaftlicher Verfechter der KI in Hollywood und räumt ein, dass er die Technologie aktiv nutzt. Ein Beispiel dafür ist die Stimmmodulation im Film The Electric State, der bei den Fans allerdings nur eine eher durchschnittliche Bewertung erhielt.
Die Filmindustrie ist bei diesem Thema jedoch nach wie vor gespalten. Während die eine Gruppe KI als revolutionäres Werkzeug betrachtet, fürchtet die andere um Arbeitsplätze, Urheberrechte und sogar um die Seele des Kinos. Eines ist jedoch sicher: Die Debatte steht kurz bevor. Und Joe Russo wird bei ihr zweifellos dabei sein.



