Australischer Radiosender ersetzte Moderatorin heimlich durch künstliche Intelligenz
Die Hörer des australischen Radiosenders CADA wurden mehrere Monate lang unwissentlich von einer Stimme verzaubert, die überhaupt keinem Menschen gehörte. Der Sender, der dem Medienunternehmen ARN Media gehört, enthüllte kürzlich, dass die beliebte Moderatorin der Morgensendung „Thy“ in Wirklichkeit vollständig von künstlicher Intelligenz geschaffen worden war.
Fünf Monate auf Sendung ohne einen einzigen Atemzug
Von November vergangenen Jahres bis April 2025 war die Stimme der vermeintlichen Moderatorin in der Sendung „Workdays with Thy“ zu hören, die an jedem Wochentag vier Stunden täglich ausgestrahlt wurde. Die Sendung gewann eine solide Hörerschaft – im März 2025 schalteten mehr als 72.000 Menschen ein, ohne die geringste Ahnung zu haben, dass sie mit einem Computerprogramm kommunizierten. „Es war ein Experiment, das unsere Erwartungen übertroffen hat“, verriet der Projektleiter Fayed Tohme. „Kein Mikrofon, kein Studio, nur Code und Vibes.“ Die Stimme von „Thy“ wurde nicht aus dem Nichts erschaffen. Das auf fortschrittliches Klonen von Stimmen spezialisierte Unternehmen ElevenLabs generierte ein Stimmprofil auf Grundlage einer echten Mitarbeiterin aus der Finanzabteilung von ARN Media. Sie stellte ihre Stimme als Basis für eine digitale Persönlichkeit zur Verfügung, die anschließend selbstständig die Inhalte der Sendung erstellte.
Die Enthüllung kam dank einer neugierigen Journalistin
Der gesamte Schwindel flog dank der investigativen Arbeit der Journalistin Stephanie Coombes auf. Sie schöpfte Verdacht, als ihr auffiel, dass Thy in den sozialen Medien überhaupt nicht präsent war und sich keinerlei biografische Informationen über diese angeblich beliebte Radiopersönlichkeit finden ließen. „Irgendetwas daran kam mir merkwürdig vor“, sagte Coombes gegenüber den lokalen Medien. „Heutzutage ist es nahezu unmöglich, dass eine Moderatorin mit einer solchen Reichweite keine digitale Spur hinterlässt.“ Als Coombes die Vertreter des Senders mit ihren Erkenntnissen konfrontierte, räumte ARN Media ein, dass Thy tatsächlich nicht existiert. Die anschließende Enthüllung löste eine hitzige Diskussion über die Ethik des Einsatzes künstlicher Intelligenz ohne das Wissen der Konsumenten aus.
Reaktionen der Öffentlichkeit
Die Entscheidung des Senders CADA, den künstlichen Ursprung seiner Moderatorin zu verschweigen, löste gemischte Reaktionen aus. Während einige Hörer amüsiert waren und das Experiment als faszinierendes Beispiel moderner Technologien betrachteten, äußerten andere ihre Besorgnis über die Täuschung der Öffentlichkeit. „KI-Technologie ist erstaunlich, aber Transparenz ist entscheidend“, kommentierte ein Hörer die Situation in den sozialen Medien. „Dieser Fall wirft eine grundlegende Frage auf – wo verläuft die Grenze zwischen Innovation und irreführendem Verhalten?“ ARN Media verteidigte sein Vorgehen als „bahnbrechendes Forschungsprojekt“, mit dem die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz in einer realen Medienumgebung getestet werden sollten. Das Unternehmen erwägt nun, „Thy“ weiter auf Sendung zu lassen, allerdings mit einer klaren Kennzeichnung als KI-Moderatorin.
Der Fall des australischen Radiosenders CADA wird wahrscheinlich die künftige Regulierung des Einsatzes künstlicher Intelligenz in den Medien beeinflussen und hat eine Debatte darüber angestoßen, in welchem Maße Hörer und Zuschauer wissen sollten, ob sie von einem Menschen oder einem Computer erstellte Inhalte konsumieren.



