Künstliche Intelligenz lernt aus menschlichen Texten, und immer mehr Autoren wehren sich lautstark dagegen. Und das hat Konsequenzen. Genau deshalb muss das Unternehmen Anthropic, der Entwickler des Chatbots Claude, nun den Schriftstellern 1,5 Milliarden Dollar auszahlen. Ende Juli entschied ein Gericht darüber, und den verfügbaren Informationen zufolge handelt es sich um den größten Vergleich wegen Urheberrechtsverletzungen in der Geschichte der USA. Warum so viel Geld? Und wird Anthropic seine Sorgen nun endlich los?
Illegal heruntergeladene Bücher
Die Schriftsteller Andrea Bartz, Charles Graeber und Kirk Wallace Johnson reichten die Klage bereits im Jahr 2024 ein. Laut der Nachrichtenagentur Reuters warfen sie dem Unternehmen Anthropic vor, Tausende illegal beschaffte Titel zum Training seines Chatbots Claude verwendet zu haben, ohne dies in irgendeiner Weise mit den Autoren zu klären.
Die entscheidende Entscheidung traf in diesem Fall Richter William Alsup im Juli 2025. Das Training von KI sei seiner Ansicht nach zulässig und falle unter die Fair-Use-Doktrin. Der gesamte Fall zeigte jedoch, dass Anthropic gleichzeitig Millionen unrechtmäßig heruntergeladener Bücher speicherte, und dieses Vorgehen fiel eindeutig nicht unter die Fair-Use-Doktrin.
Strafe für jedes Buch
Sobald das Gericht anerkannte, dass die Speicherung der Raubkopien illegal war, drohten Anthropic gesetzliche Strafen von bis zu 150.000 Dollar für jedes einzelne Werk. Bei Hunderttausenden von Titeln hätte dies für das Unternehmen jedoch existenzbedrohend sein können. Laut dem Guardian erhalten Autoren und Verlage daher etwa 3.000 Dollar für jedes der 482.000 illegal beschafften Werke.
Richterin Araceli Martínez-Olguín genehmigte die Vereinbarung am 20. Juli 2026 mit den Worten, dass sie Autoren und Verlagen eine „sinnvolle Entschädigung“ bringe, und wollte den Betrag nicht weiter erhöhen. Laut dem Guardian wurden bereits für mehr als 91 % der betroffenen Werke Ansprüche geltend gemacht.
Was bedeutet das in der Praxis? Das Beispiel Harry Potter
Dabei geht es nicht nur um unbekannte Titel oder Autoren. Betroffen sind auch so bedeutende Verlage wie der britische Verlag Bloomsbury, der die Werke von J. K. Rowling, Sarah J. Maas und Susanna Clarke herausgibt. Bloomsbury hat 14 087 Titel in die Vereinbarung einbezogen, und nach Abzug der Anwaltskosten werden ungefähr 19 Millionen Dollar. unter den Verlagen und Autoren aufgeteilt.
Der Londoner Verlag erwartet, dass er das Geld ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres in Raten erhält und es nach und nach unter den Geschädigten verteilt.
Sind Anthropics Probleme damit vorbei? Nicht im Geringsten
Und hier gibt es einen kleinen Haken. Wie TechCrunch hervorhob, stellt die Vereinbarung, die Anthropic geschlossen hat, keinen verbindlichen Präzedenzfall dar. Das Unternehmen einigte sich außergerichtlich mit den Autoren, daher können andere Richter in ähnlichen Fällen völlig anders entscheiden und die Strafen können erheblich abweichen.
Das ist für Anthropic nicht gerade ideal. Das Unternehmen sieht sich derzeit nämlich auch mit einer Klage von Musikverlagen (Universal, Concord, ABKCO) konfrontiert. Laut Music Business Worldwide fordern diese von Anthropic mehr als 3 Milliarden Dollar für mehr als 20.000 Songs, deren Texte angeblich ebenfalls in den Trainingsdaten gelandet sind.
Anthropic ist damit nicht allein
Anthropic ist bei Weitem nicht das einzige KI-Unternehmen im Visier von Anwälten. Sehr ähnliche Streitigkeiten gibt es auch bei OpenAI, Meta, Google oder Midjourney. Es scheint, als gehe die Ära „Zuerst nutzen wir fremde Daten und kümmern uns erst danach um die Konsequenzen“ langsam zu Ende, und KI-Unternehmen werden für diese Quellen zu zahlen beginnen.



