Aeneas von DeepMind: KI, die hilft, die Geheimnisse antiker Inschriften zu entschlüsseln
Google DeepMind hat das neue KI-Modell Aeneas vorgestellt. Es soll Historikern als rechte Hand dienen und ihnen helfen, die Geschichte des antiken Roms besser zu verstehen. Es kann nämlich Fragmente lateinischer Inschriften ergänzen, datieren und interpretieren – und das sehr schnell und mit maximaler Genauigkeit.
Aeneas: Experte für alte lateinische Texte
Künstliche Intelligenz hilft in Dutzenden Bereichen – vom Bildungswesen über Wissenschaft und Medizin bis hin zur Industrie. Nun unterstützt sie auch Historiker und ermöglicht ihnen, sowohl das politische als auch das alltägliche Leben im antiken Rom besser zu verstehen.
Inschriften und Texte waren typisch für Rom und sind überall zu finden. Im Laufe der Zeit wurden jedoch viele von ihnen beschädigt, und die Interpretation der häufig unvollständigen Texte stellt Historiker vor eine Herausforderung.
Ihre Vervollständigung ist jedoch entscheidend für ein besseres Verständnis der Geschichte. Deshalb kam Google DeepMind Historikern zu Hilfe und entwickelte gemeinsam mit mehreren europäischen Universitäten das KI-Modell Aeneas, das bereits jetzt hervorragende Ergebnisse vorweisen kann!
Was Aeneas kann
Aeneas kann jene Teile einer Inschrift finden, die im Laufe der Zeit verloren gegangen sind, und sie ergänzen, selbst wenn es überhaupt nicht weiß, wie viele Wörter oder Buchstaben fehlen. Anschließend kann es Ort und Zeit der Entstehung der Inschrift mit einer Genauigkeit von ±13 Jahren schätzen, was eine geringere Abweichung ist, als sie bei Experten unter Historikern üblich ist. Schließlich kann es eine Datenbank mit etwa 175 000 lateinischen Inschriften durchsuchen und inhaltlich sowie kontextuell ähnliche Texte finden.
In Aeneas können sowohl eine Transkription des Textes als auch ein Foto davon eingegeben werden. Sobald das KI-Modell eine mögliche Formulierung des fehlenden Textes ermittelt hat, begründet es seine Entscheidung. Und genau das macht es zu einem sehr zuverlässigen und reaktionsschnellen Werkzeug, das Historikern viel Zeit spart.
Sorgfältiges Training und hohe Genauigkeit
Das Modell Aeneas wurde mit dem Latin Epigraphic Dataset trainiert, also mit mehr als 175 000 Inschriften und Millionen von Zeichen. Alle Texte stammen aus der Zeit vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. und aus 62 Provinzen des Römischen Reiches. Ein neuer Text wird zudem mit einer Genauigkeit von bis zu 72 % der entsprechenden Provinz zugeordnet.
Und wie funktioniert die Arbeit mit Aeneas selbst? Das Modell verfügt über spezielle Zeichen zur Kennzeichnung fehlender Textteile, die ergänzt werden müssen. Bei einem fehlenden Buchstaben fügt der Nutzer „?“ in den Text ein, bei einem fehlenden Abschnitt unbekannter Länge wird hingegen „#“ verwendet. Besonders beeindruckend ist die Erfolgsquote bei der Ergänzung längerer Texte. Abschnitte mit bis zu 10 Zeichen bewältigt das Modell mit einer Erfolgsquote von 73 %, bei umfangreicheren Abschnitten liegt sie bei etwa 58 %.

Wie sieht das in der Praxis aus?
Aeneas hat bereits Ergebnisse geliefert. In einer Studie konnte dieses KI-Modell beispielsweise nicht nur einen Text von Kaiser Augustus analysieren und korrekt in den geschätzten historischen Kontext einordnen, sondern auch mehrere Parallelen finden. Durch die Zuordnung weiterer Texte mit ähnlichem Stil gelang es dem Modell, die Verbreitung der Ideologie des Augustus in den einzelnen Provinzen zu bestätigen.
Assistent der Historiker, kein Ersatz für sie
Der Zweck des KI-Modells Aeneas besteht nicht darin, menschliche Expertise zu ersetzen, sondern lediglich darin, sie zu beschleunigen und zu präzisieren. Sein Ziel ist es, umfassendere Zusammenhänge aufzuzeigen und historische Lücken schneller und genauer zu schließen. Bei einem Versuch mit 23 Historikern erwiesen sich die Fähigkeiten des KI-Modells in ganzen 90 % der Fälle als nützlich und untermauerten die Hypothesen der Experten.
Möchten Sie Aeneas ausprobieren? Das können Sie!
Aeneas steht allen kostenlos zur Verfügung. Besuchen Sie einfach die Website predictingthepast.com und testen Sie das Werkzeug kostenlos. Auf der Website finden Sie außerdem das Modell Ithaca für die Arbeit mit altgriechischen Fragmenten.
Quelle: Google DeepMind, Nature, The Guardian



